*Hier gibts alle Ankündigungstexte zu den verschiedenen Workshops und Vorträgen
Detail

Donnerstag 07.04.
18 – 21h


*Einführungsvortrag:

“Der Einführungsvortrag wird aus zwei Teilen bestehen: Im ersten wird ein Überblick über die Geschichte der Frauenbewegung(en) und damit verbunden der verschiedenen feministischen Theorien gegeben. Im zweiten Teil wird ein Begriffslexikon versucht werden, in dem verschiedene wichtige Begriffe wie Heterosexismus, Heteronormativität, queer, Homophobie, Sexismus usw. definitorisch gefasst und deren (mögliche) theoretische und praktische Grenzen aufgezeigt werden soll.”

Freitag, 08.04.
13 – 16h

*Vortrag
Eine gerechte Gesellschaft gestalten: Queer und Kapitalismuskritik

Unterschiede zwischen Menschen – so geschlechtliche – sind nicht vorgegeben, sondern resultieren aus Ungleichbehandlungen. Anstatt noch immer über die Berechtigung der 1949 gewagten These von Beauvoir „Kein biologisches […] Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen […] annimmt“ zu diskutieren, gilt es, radikal weiterzudenken.
Beauvoir zeigte klar, dass in der Gesellschaft Ungleichbehandlungen, Diskriminierungen und Gewalt entlang der Kategorie Geschlecht stattfinden und dass Frauen häufiger benachteiligt sind als Männer und auch öfter direkte physische Gewalt erfahren. Befreiung bedeutet, konkret etwas gegen die Gewalt, die Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen zu tun. Dass bedeutet aber nicht, dass man Frauen und Männer zu „Ewigkeiten“, als „natürlich“ erklären müsste – auch das betonte Beauvoir. Denn gerade mit Verweisen auf „Natürlichkeit“ werden nach wie vor von Konservativen Ungleichbehandlungen von Menschen begründet und zementiert – Karl Marx war sich indes der Gesellschaftlichkeit des Menschen in allen (!) seinen Merkmalen sehr bewusst.
Also: So wie aus den Analysen von Marx zu Produktionsweisen Folgerungen für eine bessere Gesellschaft mit einem guten Leben für alle Menschen gezogen werden (sollten), so sollten auch die Kategorie „Geschlecht“ einer genauen Analyse unterzogen und Ableitungen für Veränderung erarbeitet werden, die ein gutes Leben für alle Menschen ermöglichen. Die gesellschaftliche Entwicklung des einen wie des anderen bedeutet einen langen Weg, deshalb sollte man sich aber nicht bei dem einen mehr als bei dem anderen hinter derzeitige Denkschranken zurückziehen und sich vermeintlicher Alternativlosigkeit ergeben. Kapitalismuskritik braucht queere Perspektiven, genau wie zu Queer unbedingt Kapitalismuskritik gehört.

Weiter Informationen zu dem Thema findet ihr in dem Buch „Geschlecht“
http://www.theorie.org/titel/663_geschlecht
Außerdem gibt eseinen vorbreitenden Text zum Input unter:
http://schwule-seite.de/Ansaetze_fuer_eine_queere_Kapitalismuskritik.pdf


Dr. Heinz-Jürgen Voß forscht und lehrt zu Geschlecht, Biologie und Queer.

*Workshop
Antifa und Männlichkeit
Was ist überhaupt Männlichkeit? Was macht Antifa-Politik aus und wieso ist sie an so vielen Punkten besonders bei jungen Männern beliebt? Warum gibt es auch in der Antifa Unterdrückungsverhältnisse? Die Gesprächs- und Entscheidungsstrukturen und die Ausrichtung der Antifa-Politik gehören auf den antisexistischen Prüfstand.
Wir reden über Symbole und Idole, um Tücken der alltäglichen Antifaarbeit, samt Heldentum und Revierverhalten. Unterdrückungsmechanismen schaffen sich aber nicht von selbst ab, nur weil sie vielfach in Diskussionen erkannt und benannt werden. Es geht also um die Entwicklung neuer Perspektiven und um konkrete Umsetzungsmöglichkeiten.
Antifa ist zu wichtig, als es nur bei Kritik zu belassen.

17 – 21h

*Vortrag
Kapitalismus und Patriarchat – Zwei Seiten oder eine Medaille?
Gerne wird gerade in linken, kapitalismuskritischen Zusammenhängen das Ende des Patriarchats verkündet. Die (post-)antideutsche Zeitschrift Bahamas wollte in ihrer letzten Ausgabe sogar dem feministischen Projekt „Wildwasser“ die Förderung streichen, weil sie die Lüge verbreitet hätten, dass die Welt immer noch patriarchal strukturiert sei. Auch viele Feministinnen finden die Rede von der Männerherrschaft antiquiert und reden lieber von „queer“ oder einer „heterosexuellen Matrix“. Und in der Tat, den Begriff im Sinne von Herrschaft der Männer über die Frauen zu nutzen, mag das heutige Geschlechter-verhältnis nur bedingt treffen. Er passte besser in eine Zeit, wo der Mann noch der Hausvorstand war und Frauen, Kinder, Knechte und Mägde ihm unterstanden.
Andrea Trumann zeigt auf, dass es mehr Sinn macht vom Kapitalismus als einer patriarchal strukturierten Gesellschaft zu sprechen, in der der einzelne, um in dieser überleben zu können, sich selbst disziplinieren muss und eine spezifische Herrschaft über sich errichten muss. Diese Herrschaft kann als patriarchal verstanden werden, weil sie männlich konnotiert ist und mit einer Abwehr von Weiblichkeit und Homosexualität einhergeht.
In dieser Veranstaltung geht es um den systematischen Zusammenhang von modernem Patriarchat und Kapitalismus. Dabei soll es nicht zuletzt auch darum gehen, ob und in wieweit sich diese beiden Momente gegenseitig bedingen und in ihrer Dynamik vorantreiben.
Mehr Informationen zu dem Beitrag, bzw. einen Audiobeitrag zu diesem Thema gibt es unter:
http://associationcritique.blogsport.de/audio-vortraege/kapitalismus-patriarchat-audio/

Andrea Trumann hat in ihrem Buch „Feministische Theorie. Frauenbewegung und weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus“ die Entwicklung des und den Kampf gegen das moderne Patriarchat in den Kontext ökonomischer Modernisierungsprozesse gestellt.

*Workshop
„Miteinander Reden in Gruppen – Diskriminierung und Verletzbarmachungen entgegenwirken“
- Ein Austausch über Erfahrungen -

Die Gruppen, in denen wir Politik machen, leben und arbeiten, sind wie alle anderen Strukturen auch durchzogen von verschränkten Machtstrukturen. Diese Machtstrukturen werden von uns immer wieder neu hergestellt und reproduziert oder aufgebrochen und verändert. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns, mit unserem Handeln und Denken. In dem Workshop wollen wir uns gemeinsam die verschränkten Machtstrukturen in unseren Gruppen angucken und Aufmerksamkeit dafür stärken, dass diskriminierendes Sprechen und Verletzbarmachungen durch Sprache und Handlungen Machtstrukturen reproduzieren. Dadurch werden u.a. Personengruppen in marginalisierte Positionen gebracht und gehalten und Ein– und Ausschlüsse hergesellt. Verletzbarmachung ist hier als ein strukturelles Machtmittel gemeint, also in dem Sinne das Verletzbarmachung ein Machtmittel innerhalb der Herrschaftsstrukturen ist, um verschiedene Personengruppen auf bestimmte Positionen zu verweisen, Positionen, die mit mehr oder weniger Macht ausgestattet sind, Positionen, die mehr oder weniger unterdrückt oder ausgebeutet werden.
Der Fokus des Workshops soll aber darauf liegen, dass wir alle unsere Erfahrungen zusammen tragen, wie verletzendes und diskriminierendes Sprechen und Handeln in Gruppen verändert werden kann. Weiter dass wir zusammentragen welche „Hilfsmittel“ oder Methoden es gibt, die „Normalität“, die mit Machtstrukturen durchzogen ist, zu verändern. Einige Beispiele sind Quotierte Redelisten, Stopp-Karten, getrennte Kleingruppen je nach Positionierung (z.B. Cismänner* und FLT (FrauenLesben Trans)), eingeplante, regelmäßige Gruppenzeiten in denen die Herrschaftsverhältnisse in der Gruppe reflektiert werden, Reflektionspausen, wo jede_r für sich die Strukturen in der Gruppe reflektiert.
Weiter wollen wir zusammentragen, was ein möglichst macht- und verletzungsfreies Miteinandersprechen und –handeln begünstigen kann. Wie z.B. Stereotype zu vermeiden, die eigene Position in der Gruppe wahrzunehmen, auf dem Schirm zu haben und bewusst damit umzugehen, nachzufragen, zu zuhören und zu lernen. Es geht auch darum, je nach Position Wege zu finden, sich zu schützen, zu stärken und aufeinander einzugehen. Veränderungen brauchen Zeit, welche Erfahrungen haben wir mit längeren Prozessen in Gruppen, welche Mechanismen (wie Abwehr, Blockaden, Verunsicherungen) nehmen wir wahr und wie konnten wir in Gruppen damit umgehen. Dies sind nur einige Beispiele, um eine Idee zu geben.
Der Workshop wird nur einen kurzen Input und längere Zeiten für Austausch beinhalten, u.a. in Kleingruppen. Der Zugang zu der Thematik ist nicht so sehr ein theoretischer oder gar akademischer, sondern eher einer von der politischen Praxis kommend, also das Zusammentragen des Wissens, dass wir im Miteinander u.a. in unseren Wgs, Politgruppen, Kollektiven und Kommunen gesammelt haben.
*Cismänner wird neuerdings für Personen benutzt, die als Mann geboren, männlich sozialisiert und als Männer in dieser Gesellschaft leben. Cismann hat den Begriff Biomann abgelöst, da das Geschlecht nicht biologisch ist, sondern gesellschaftlich konstruiert.

Samstag; 09.04.
11 – 14h

*Vortrag
Das Warenproduzierende Patriarchat – Aspekte der Wert-Abspaltungskritik (AZ Conni, Saal)
Seit kapitalistische Krisen bis hin zum Crash der Finanzmäkte 2008 massiv auf sich aufmerksam machen, ist auch Marx wieder mehr „in“. Bilanzierungen der neuen Marxlektüre kommen jedoch nahezu gänzlich ohne Rekurs auf „materialistische“ feministische Theorien aus, wie sie in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt wurden. Andererseits stagnierte eine marxofeministische Theoriebildung seit dem Zusammenbruch des Ostblocks; dekonstruktivistische und kulturalistische Konzepte machten sich breit und begünstigten die derzeitige neomarxistische Ignoranz gegenüber der Geschlechterthematik.
Demgegenüber wurde die Wert-Abspaltungskritik in der „bleiernen Zeit“ der 1990er Jahre entwickelt; sie versucht grundsätzlich ein neues Verständnis der Marxschen Werttheorie mit feministischen Kritiken zu verbinden und dabei auch die jüngsten Entwicklungen des warenproduzierenden Patriarchats einzubeziehen. In dem Vortrag sollen einige Aspekte dieser Wert-Abspaltungskritik erläutert werden.
Selbst eine relativ einfache Darstellung dieser Theorie kommt jedoch ohne eine gewisse Voraussetzung Marxscher Grundannahmen nicht aus. Da diese sich nicht ohne weiteres ad hoc vermitteln lassen, versteht sich der Vortrag in erster Linie als Impuls zu einer eingehenderen Beschäftigung mit einer anderen Art feministischer Theoriebildung, die Mut zum Begriff und zur Abstraktion hat, wie es heute meist nicht mehr geläufig ist. Stattdessen dominieren oberflächliche Vermittlungsbemühungen zwischen der postmodernen Queertheorie und älteren marxofeministischen Theorierichtungen. Die Wert-Abspaltungskritik erhebt dagegen den Anspruch, eine neue Theorie jenseits postmodernen und traditionsmarxistischen Denkens zu entwickeln.

*Workshop
Antisexismus aus männlich sozialisierter Perspektive (AZ Conni, Infocafe)
Beginnt 10.30! Begrenzt auf 20 Teilnehmende.
42 Jahre nach dem Tomatenwurf gibt es verschiedenste Umgangsweisen
linker „Männer“* mit den feministischen Forderungen: Die PC-Roboter
machen formal alles richtig und gehören dann zu den Guten, die
Verunsicherten geben nach 6000 Jahren Herrschaft einfach mal sämtliche
Verantwortung ab, die Postmodernen lackieren sich die Nägel und
konstatieren, dass Feminismus ein Anachronismus ist, die Emotionalen
finden endlich den Zugang zu ihren Bedürfnissen und vergessen darüber
Machtfragen und Grenzen anderer – und manche denken immer noch, nach der Revolution klärt sich das dann eh von selbst…

Bei aller Polemik halten wir Teile dieser Strategien für sinnvoll,
kritisieren aber deren Einseitigkeit und die Tendenz, das Thema schnell
abhaken zu wollen. Vor diesem Hintergrund möchten wir uns über eigene
Involviertheit, Widersprüche und Handlungsmöglichkeiten austauschen. Der
WS bezieht sich inhaltlich auf männlich Sozialisierte, ist aber offen
für alle Geschlechter. Bei Bedarf können wir in spezifischen
Kleingruppen arbeiten. Der Workshop ist auf 20 Teilnehmer_innen begrenzt.

*“Männer“ meint in diesem Zusammenhang männlich Sozialisierte, die nicht
komplett mit ihrer ursprünglichen Zuweisung gebrochen haben.

*Selbstverteidigungskurs I
Krav Maga (Grüne Ecke)

Krav Maga ist eine israelische Kampfsportart. Trainiert von Katja bieten wir mit zwei Blöcken zu drei Stunden einen Einblick in grundlegende Selbstverteidigungstechniken. Beide Blöcke haben die gleichen Einheiten zum Inhalt. Dazu können bequeme und/oder Sportsachen mitgebracht werden, wer hat, kann auch selbst Schützer zum Beispiel für Schienbeine mitbringen.

Die Workshops finden am Samstag, den 9. April statt. Dabei ist Workshop I von 11.00 – 14.00Uhr nur für Menschen, die als Frau wahrgenommen werden oder sich selbst als Frau verstehen. Zu Workshop II von 15.00 – 18.00Uhr können alle gehen. Mit dem Splitting wollen wir die Möglichkeit eines Schutzraums bieten, für Menschen, die tendenziell eher Betroffene von Grenzverletzungen und sexualisierten Übergriffen sind und sich davor schützen möchten oder einfach aufgrund der körperlichen Interaktion eine gesplittete Gruppe wollen.

Für die Teilnahme ist eine Einschreibung am Arrrgh-Infopunkt notwendig, diese läuft am Freitag. Da die Kapazitäten der Räumlichkeiten begrenzt sind und nur eine Person trainiert, ist die Teilnehmendenzahl auf 20 beschränkt.

15 – 18h

*Vortrag
Sexismus und Nationalismus (Saal)

Wenn rechte Parteien sich Familie und Vaterland auf die Fahne schreiben und Linke beides gerne kritisieren, ist das kein Zufall. Nation, Staat und Geschlechtlichkeit sind weit über die Privat/Politisch-Trennung hinaus miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Diese Verbindungen und ihre Geschichte queerfeministisch, wertkritisch zu
durchleuchten ist ebenso Ziel dieses Vortrages, wie die Frage danach,was dies für eine linke Theorie und Praxis bedeuten kann.
Oliver Lauenstein

*Workshop auf Deutsch und Englisch.
Community Accountability I (Infocafe)
In unseren Händen: Workshop zu Community Accountability (Verantwortlichkeit im eigenen Gemeinschaft)
Was bedeutet Verantwortlichkeit in deiner community (Umfeld)? Was bedeutet es für dich?

Was würdest du machen, wenn etwas gewalttätiges oder verletzendes
passiert zwischen Freund_innen, Kolleg_innen oder Mitgliedern einer
Gruppe, der du angehörst?

Haben du und deine Freund_innen oder deine Politgruppe einen Plan, wie
damit umgegangen wird, wenn ein sexueller Übergriff gegen eine_n aus der
Gruppe von einem anderen Gruppenmitglied passiert?

‘Community Accountability’ (Umfeld Verantwortlichkeit) ist ein Konzept,
dass von Oragnisationen in den U.S.A. wie Incite! Women of Color Against
Violence entwickelt wurde um Täter_innen für gewaltsames Verhalten zur
Verantwortung zu ziehen in einem durch das Umfeld organisierten und
kontrollierten Prozess, außerhalb von Polizei, Gericht und anderen
staatlichen Institutionen.

Dieses Konzept ist aus dem Glauben heraus entstanden, dass
Gemeinschaften sowohl verantwortlich als auch betroffen von der Gewalt
sind, die in ihnen stattfindet. Es ist auch besonders für und von People
of Colour und Menschen der Queer/Trans-Szene aufgebaut worden, die
häufig von Polizei, Gericht und staatlichen Institutionen zusätzlich
diskrimiert und schikaniert werden. Es ist auch verbunden mit anderen
Bewegungen, die versuchen, ganzheitliche, weniger bestrafende Wege zu
finden, mit Gewalt umzugehen.

Wir werden verschiedene Community Accountability-Modelle betrachten,
speziell bezogen auf sexuelle Übergiffe und darüber reden, wie wir diese
in unserem Leben und unserem Umfeld ansetzen können.

*English:

Workshop Block 1 : In Our Hands : Community Accountability for Sexual Violence

What does responsibility mean in your community? to you?
What would you do if something violent or hurtful happened between friends, roommates, or members of a group you are in?
Does your community have a plan for how to react if someone you know and love is sexually assaulted?

‘Community Accountability’ is a framework developed by organizations in the U.S. like INCITE! Women of Color Against Violence and CARA for holding perpetrators of oppressive or violent behavior responsible through a process organized by communities, outside of State institutions.

The concept comes out of the belief that communities are both responsible for, and affected by, the violence that happens within them. It was designed by and for people of color and queer/trans communities, often targeted by police and the State.

*Selbstverteidigungskurs II
Krava Maga (Grüne Ecke)

19 – 22h

*Workshop auf Deutsch und Englisch
Community Accountability II (Infocafe)
VVerantwortlichkeit für gewaltausübende Personen innerhalb Transformativer Gerechtigkeit

Die zweite Workshop baut auf den ersten auf. Er fokusiert auf : Dynamiken der Täterschaft sexualisierter Gewalt; was brauchen gewaltausübende Personen und ihr Netzwerk, um sich mit ihrem gewaltätigen Verhalten zu konfrontieren und es zu transformieren; und Strukturen, die gewaltausübende Personen innerhalb einer Community zur Verantwortung ziehen.

Transformative Gerechtigkeit sucht einen transformativen statt strafenden Umgang mit Gewalt in Gemeinschaften. Das Model wurde von der U.S.-Organisation “Generation Five” entwickelt und basiert auf der Idee, dass individuelle Gerechtigkeit für Betroffene und soziale Gerechtigkeit für uns alle (Freiheit von Rassismus, Sexismus, u.s.w.) sich gegenseitig unterstützen.

*Trigger Warnung : eine Diskussion über Gewalt kann schmerzhafte Gefühle oder Erinnerungen bei den Teilnehmer_innen auslösen. Wir sind hier um uns umeinander zu kümmern, wir bitten dich auch, dich um dich selbst zu kummern und auf deine Kapazitäten und Grenzen aufzupassen.

*English:
Perpetrator Accountability within Transformative Justice

The second workshop will build off the concepts in the first, and focus more closely on perpetration : dynamics of perpetration, what perpetrators and those working with them need in order to confront and/or transform violent behavior, and structures for holding perpetrators accountable within communities.

Transformative Justice seeks more transformative rather than punitive ways of addressing violence in our communities. This model developed by U.S. based organization Generation Five is based on the belief that individual justice for survivors and social justice for us all (freedom from sexism, racism, etc.) are mutually supportive.

*Trigger warning : any discussion of perpetration has a greater chance of triggering painful feelings & memories in participants. We are here to take care of each other, and we encourage you to take care of yourself too!

*Vortrag
Rassismus und Sexismus – Eine Analogie? (AZ Conni, Saal)
Die feministische Debatte ist seit Mitte der 60er Jahre von einer Parallelität zwischen den Phänomenen Rassismus und Sexismus geprägt. Der Begriff Sexismus selbst ist in Analogie an den Rassismusbegriff entstanden. Diese Analogieannahme verbaut jedoch die Sicht auf die komplexen Verflechtungen von Rassismus und Sexismus und auf die aktuell stattfindende Instrumentalisierung „der unterdrückten Migrantin“ bei der Legitimierung von Kriegen und den Verschärfungen des Aufenthaltsrechts.

Ein Beispiel für das komplexe und oft auch schwierige Verhältnis zwischen Sexismus und Rassismus ist die hohe Beschäftigungszahl von (meist illegalisierten) Migrantinnen als „Haushaltshilfen“ in Privathaushalten. Es scheint, als erkauften sich die weißen deutschen Frauen ihre persönliche Gleichstellung und weiße deutsche Männer ihre Freistellung von der Hausarbeit bei Migrantinnen, die in Folge der neoliberalen Globalisierung und der damit einhergehenden Verarmung ihre Herkunftsländer verlassen.

Ein weiteres Beispiel für die Verflechtung von Rassismus und Sexismus ist die Ethnisierung des Sexismus selbst. Die Frauenfrage hat alle politischen Lager, die Medien und selbst die Männerstammtische erreicht, erschöpft sich jedoch dabei in der Empörung der Gesellschaft über die „Unterdrückung“ der Muslimas, über den „Kopftuchzwang“ und Ehrenmord, Beschneidung oder Zwangsverheiratung. Dabei werden eigene Probleme und Widersprüche auf die „andere“ Kultur verschoben, um die dominante Kultur vom Problemdruck zu befreien und sie in ihrer Überlegenheit zu bestätigen.

Ist die Frauenemanzipation in den Industrieländern eine »imperialistische Illusion« (Rommelspacher), die zunehmend auf Kosten von Migrantinnen geht? Wie wird der Geschlechterkonflikt durch die rassistische Projektion von Sexismus auf die „andere“ Kultur ausgelagert und vermieden? Welche Qualität hat eine Gleichstellung von Männern und Frauen durch die Beschäftigung von Putz- und Haushaltshilfen? Und wer ist gleichgestellt, wer nicht?

Wie können wir Teil des Widerstandes werden und verhindern, dass wir Teil des Problems sind?

Alexandra Harstall, geb. 1977 in Bukarest, ist Gründungsmitglied von MediNetz Bonn medizinische Vermittlungsstelle für Flüchtlinge, MigrantInnen, Menschen ohne Papiere www.medinetzbonn.de und in der interkulturellen Mädchenarbeit tätig www.azade.de.

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